Hier finden Sie eine kleine Auswahl der Texte aus meinem Programm
"Die Welt für (m)einen Baum":
 

 

Der Baum und der Spielmann

da stehst du nun
du stattlich großer baum                                                      
kannst nicht mit mir geh`n
nicht mit mir die welt anschau`n

du weißt nicht wie es ist
dort hinter`m horizont
in den dörfern bei den menschen
du stehst hier so bist du`s gewohnt

ich pack` mein bündel nehm` den Stab
setz` meine narrenkappe auf
ein spielmann der muß wandern
und nichts und niemand hält ihn auf

da gehst du nun
sprach der große baum zu mir
du kannst nicht verweilen
genießt nicht die schönheit hier

du weißt nicht wie es ist
wenn man eine heimat hat
in der erde tief verwurzelt
ziehst umher wie`s jeder spielmann tat

ich leg mein bündel wieder ab
und setze mich noch einmal hin
der alte baum hat ja so recht
jetzt merk ich das ich einsam bin

da sagte ich zu ihm
ich geh` in die welt hinaus
und sammle die Geschichten
die ich find` tagein tagaus
 

und irgendwann komme ich wieder
hierher einmal zu dir zurück
und erzähle von der welt
dann kennst du sie auch ein stück

der baum sagte vergiß mich nicht
doch mach dich auf den weg
ich will wissen wie es ist
dort draußen in der welt...

 


 

Sergej, der Maler

sergej der maler 
war weltweit bekannt
seine bilder sah man schon 
in fast jedem land

 er stellte in den größten 
museen der welt aus 
aber irgendwas grämte 
ihn tagein und tagaus 

lange wußte er nicht 
was ihn bedrückt
bis er schließlich den grund 
seines unmuts begriff

seine bilder die fand er
schon lang nicht er gut
einfach schlecht und langweilig
und nicht kunstvoll genug

so schlich er sich mal
 in ein museum zur nacht
hat pinsel palleten 
und farben auch mitgebracht

und er malte und malte
nacheinander reihum
seine eigenen bilder 
alle samt um

war das ein geschrei
am morgen darauf
als die werter die türen
zur galaarie schlossen auf

sergej der maler 
war längst nicht mehr da 
und veränderte bilder
wo gestern sein lebenswerk war

 

 

 
 

(müh) seelige Arbeit

in china hatte einst
ein bauer so wird es erzählt
sein kleines feld bebaut mit reis

der acker der lag oberhalb
einer unwegsamen schlucht
mehrmals täglich ging er
zum Wasser da hinab
das er schöpfte und 
zu seinem acker trug

einst kam ein reicher mann
der sah die quälerei
des bauern lange zeit mit an

er versprach ihm eine pumpe
die das wasser transportiert
der mann er müsse sich dann
ja nicht mehr so abmüh`n
doch der bauer der
nicht nach dem reichtum giert

er lehnte ab und sprach
wenn ich das wasser trag`
dann hab ich zeit und denke sehr viel nach

die zeit geht dir verloren 
in deinem großen reichtum
für dich zählt nur gewinn
und für mich noch meine zeit
sollst trachten nach dem sinn
und nicht nur nach dem ruhm

 

 

 

Allein

die hände gefaltet so sitzt er schon lang
in der kirche ganz hinten auf der letzten bank
er betet seit stunden und zum ersten mal
er fühlt sich zerschundenzu groß ist die qual

warum traf es ihnund dann gleich so hart
seine einzige tochterhätt`s gott ihm erspart
starb in der letzten nacht nach dem harten kampf
mit dem tode den sie nun doch nicht gewann

er wollte ihr helfen hat alles getan
nur den arzt wollt` holen doch als dieser kam
da war es zu spät schon die tochter war tot
hier sitzt er und betet allein in der not

er fühlt sich nicht wohl hier es ist ihm so fremd
er weiß nur ganz sicher das ihn hier keiner kennt
und wenn stört`s ihn auch nicht jetzt ist es egal
und er fragt sich wieder zum hundertsten mal

warum traf es ihn und dann gleich so hart
seine einzige tochter hätt`s gott ihm erspart
nicht mal einen enkel hat er von ihr
keinen einzigen menschen hat er noch hier

 

 

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